Palmkernöl in Kosmetik-, Wasch- und Reinigungsmitteln

07. März 2013


Ausgangslage

Rund ein Drittel der Inhaltsstoffe von Kosmetik, Wasch- und Reinigungsmitteln sind organische Inhaltsstoffe (sog. Tenside). Diese können sowohl aus fossilen Rohstoffen (z.B. Erdöl) als auch aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt werden. Bei letzteren handelt es sich um nachwachsende land- oder orstwirtschaftlich hergestellte Produkte, welche daher weitgehend CO2-neutral sind. Es ergeben sich bezüglich Preis oder Qualität bei den zu Tensiden weiter verarbeiteten Inhaltsstoffen keine wesentlichen Unterschiede, unabhängig davon ob aus fossilen oder pflanzlichen Quellen.

In Westeuropa werden rund 20% der in Kosmetik, Wasch- und Reinigungsmittel eingesetzten Tenside aus Palmkern- oder Kokosöl hergestellt, die restlichen 80% der Tenside aus fossilen Rohstoffen.

Die Produktion von Kosmetik, Wasch- und Reinigungsmittel erfolgt generell zunehmend unter Verwendung nachwachsender Rohstoffe. Die Kosmetik, Wasch- und Reinigungsmittel Industrie steht somit in der Verantwortung, wenn sie auch nicht der Treiber für den zunehmenden Anbau der Ölpalme ist (Hauptabnehmer ist die Lebensmittelindustrie). So haben sich einige Firmen verpflichtet bald nur noch nachhaltiges Palmkernöl einzusetzen. Für die Hersteller ist deshalb eine verantwortungsvolle, glaubwürdige und transparente Kommunikation der Fakten zu nachhaltigem Palmkernöl wichtig. Der Konsument soll bewusst und eigenständig entscheiden können, gleichzeitig soll die nachhaltige Verwendung der Ölpalme als Rohstofflieferant erhalten bleiben.

Nachhaltigkeitsaspekte bei der Verwendung von Palmkernöl 

Wie erwähnt, werden derzeit zur Tenside-Herstellung überwiegend fossile Rohstoffe eingesetzt. Dies stellt - wegen der Diskussion zum Klimawandel, möglicher Havarien beim Transport, der Begrenztheit solcher Rohstoffe und der politischen Situation der Förderländer - zunehmend eine ökologische, ökonomische und auch politische Herausforderung dar. Die Nutzung nachwachsender Rohstoffe dient daher als Alternative zu fossilen, nicht erneuerbaren Ressourcen und kann zum Klimaschutz beitragen.

Wie Palmkernöl als nachwachsender Rohstoff zur Herstellung von Tensiden unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit zu bewerten ist, hängt von den ökologischen, ökonomischen und sozialen Umständen ab unter denen es gewonnen wird. 

Damit die Nutzung von Palmkernöl im Ergebnis positive Effekte für die Umwelt und die sozioökonomische Situation in den Herkunftsländern hat, müssen bestimmte Nachhaltigkeitskriterien beim Anbau und der Ernte der Ölfrüchte berücksichtigt werden:

  • Ökologische Ziele: Naturschutz (z.B. Erhalt der Artenvielfalt und besonders wertvoller Lebensräume wie Regenwälder und Grasland), Klimaschutz (z.B. Schutz von Land mit hoher Kohlenstoffbindung wie Torfmoore und Feuchtgebiete) sowie Umweltschutz (Erhalt der Qualität von Wasser und Luft und insbesondere die Erhaltung der Fruchtbarkeit der Böden)
  • Sozioökonomische Ziele (z.B. Schutz einheimischer Bevölkerungsgruppen, Arbeitsbedingungen in den Plantagen, Landrechtsfragen, Einkommen der Arbeitskräfte zur Sicherung eines auskömmlichen Lebensstandards)

Keinesfalls entspricht es dem Ziel der Nachhaltigkeit, wenn für Ölpalmenplantagen oder andere Plantagen tropischer Primärwald gerodet wird oder Torfmoore trockengelegt werden.

Handlungsaspekte für Industrie und Konsumenten

Ein erster Schritt zur Entwicklung von Kriterien für eine nachhaltigere Palmölwirtschaft ist die Initiative „Roundtable on Sustainable Palm Oil“ (RSPO). Deren Mitglieder setzen sich aus Vertretern der Ölpalmen-Plantagenbetreiber, Palm(kern)ölhändler, weiterverarbeitenden Industrie, Konsumgüterhersteller, Banken, Umwelt-/Naturschutzorganisationen und sozialer Organisationen zusammen. Der RSPO hat im November 2007 ein Zertifizierungssystem für den nachhaltigen Anbau und Handel mit Öl aus Ölpalmen (Palmöl und Palmkernöl) verabschiedet.

www.rspo.org und www.betterpalmoil.org/about

Derzeit ist für Kosmetik, Wasch- und Reinigungsmittel -Hersteller der Kauf von RSPO-Zertifikaten die einzige Möglichkeit, eine nachhaltige Produktion von Palmkernöl zu unterstützen. Hierfür werden Mengenäquivalente an RSPO-zertifiziertem Palm(kern)öl hergestellt, die anschliessend in den allgemeinen Produktionsstrom an Palm(kern)öl fliessen (RSPO-Nachweisstufe: „Book & Claim“).

Für 2015 wurden die ersten Tenside auf Basis von RSPO-zertifiziertem, nachhaltigem Palmkernöl angekündigt. Dafür soll zertifiziertes Palmkernöl von verschiedenen zertifizieren Plantagen verwendet werden. Dieses wird dabei über die gesamte Lieferkette physisch von nicht zertifiziertem Palmkernöl getrennt. 

Mit einer zunehmenden Nutzung von Produkten auf Basis nachwachsender Rohstoffe in der Kosmetik, Wasch- und Reinigungsmittel -Industrie werden die Einbindung der Verbraucher und eine verantwortungsvolle transparente Kommunikation gegenüber den Verbrauchern immer wichtiger. 

Grundsätzlich gilt: Nachwachsende Rohstoffe sind nicht per se nachhaltig oder nicht nachhaltig. Es kommt auf eine differenzierte Betrachtung der Anbau- und Produktionsbedingungen an. Für die Förderung von nachhaltigem Palm(kern)öl ist im Herbst 2013 von interessierten Vertretern verschiedener Verbänden, NGO’s, Regierungsstellen und Unternehmen aus Industrie und Handel das Forum „Nachhaltiges Palmöl“ gegründet worden. Diese Plattform setzt sich in Deutschland, Österreich und der Schweiz neben der direkten Förderung des Einsatzes von nachhaltigem Palmkernöl auch für die Verbesserung der bestehenden Zertifizierungssysteme ein und informiert umfassend über das Thema Palm(kern)öl.

www.forumpalmoel.org/de/ueber-palmoel.html

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